Deutschförderklassen bedeuten Segregation

Nachdem Bildungsminister Faßmann seine Pläne präsentiert hat, zukünftig Kinder, die bei der Schuleinschreibung Defizite in der Unterrichtssprache Deutsch aufweisen, in separaten „Deutschförderklassen“ unterrichten lassen zu wollen, reagiert das Netzwerk SprachenRechte mit einem offenen Brief.

Solche Klassen bedeuten eine Segregation der Kinder und sind der Integration nicht zuträglich!
Wir fordern den Bundesminister auf
a) zur Kenntnis zu nehmen, dass es in Österreich längst höchst erfolgreiche integrative und bilinguale Modelle arbeiten, die erhalten und ausgebaut werden sollten;
b) zu überprüfen, welche sanften Übergänge vom Kindergarten in die Schule in anderen
Ländern (z.B. Schweiz) begangen werden und sich ggfs. daran zu überprüfen.

Links:
Faßmann macht mit Deutschklassen demnächst Ernst, derstandard 22.1.2018
Was für und gegen separate Deutschklassen spricht, derstandard 25.1.2018

Offener Brief des Netzwerks SprachenRechte an Bildungsminister Faßmann

Stellungnahme von Forschenden und Lehrenden des Bereichs Deutsch als Zweitsprache der Universitäten Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien zum Bildungsprogramm 2017 bis 2022 der österreichischen Bundesregierung

 

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Netzwerk warnt vor Regierungsplänen

Das Netzwerk SprachenRechte kritisiert die im Programm der neuen türkis-blauen Regierung gefassten Bildungspläne. Was zuvor bereits für Erwachsene galt, soll nun besonders stark auf Kinder wirken: die deutsche Sprache wird ab dem Kindergarten als Ausschlusskriterium eingesetzt.

Im Regierungsprogramm werden gesellschaftliche Gegebenheiten gänzlich ausgeklammert und wird u.a. durch die Betonung eines „differenzierten Systems“ und einer Konzentration auf „Leistung“ die Ausgrenzung sozial benachteiligter Schüler_innen (und deren Eltern) verstärkt!

Das Netzwerk SprachenRechte lehnt ein derartiges Bildungsprogramm ab und hat dazu eine ausführliche Stellungnahme verfasst.

Stellungnahme von Forschenden und Lehrenden des Bereichs Deutsch als Zweitsprache der Universitäten Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien zum Bildungsprogramm 2017 bis 2022 der österreichischen Bundesregierung (Jänner 2018)

 

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Dokumentation von Sanktionen im Integrationsgesetz

Das im Jahr 2017 in Kraft getretene Integrationsgesetz sieht weitere Verschärfungen vor:

1. Asylberechtigten und Subsidiär Schutzberechtigten drohen Sanktionen bei einer Nichteinhaltung einer „Integrationserklärung“.
2. Drittstaatsangehörige haben für die Erlangung eines Aufenthaltstitels nunmehr nicht nur Deutsch- sondern auch Werteprüfungen zu absolvieren.
3. Die Konzeption und Durchführung von Prüfungen sowie die Entscheidung über die Gleichwertigkeit anderer Prüfungen obliegen nun mehr ausschließlich dem ÖIF.

Das Netzwerk SprachenRechte sieht durch diese Verschärfungen das Verbleiben Einzelner in bedenklicher Weise der staatlichen Willkür ausgesetzt, da es keine fachlich legitimierten Institutionen mehr gibt, die in diese Maßnahmen eingebunden sind.

Das Netzwerk SprachenRechte hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Umsetzung des Gesetzes in Bezug auf die dort genannten Sprach- und Wertekurse bzw. –prüfungen verstärkt zu beobachten und gegebenenfalls auf Missstände hinzuweisen.

Wenn Sie als Institution (Beratungsstellen, Kursinstitute etc.) oder als ehrenamtlich Agierende/r, mit Personen zu tun haben, die von den Sanktionen bedroht sind, ersuchen wir Sie, uns zu berichten.

Bitte kontaktieren sie uns unter: kontakt@sprachenrechte.at

Informationsblatt zur Dokumentation von Sanktionen im Rahmen des neu in Kraft getretenen Integrationsgesetzes

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Im Brennpunkt: Integrationsgesetz und Werteschulungen

Es gibt wieder Aktualisierungen im Integrationsgesetz (auch: Bundesgesetz zur Integration rechtmäßig in Österreich aufhältiger Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft), die größtenteils ab 1.10.2017 in Kraft treten.

Die Änderungen im konsoldierten Integrationsgesetz (IntG) bringen neben neuen Kontrollen und strengeren Strafen bei Nichteinhaltung auch wieder neue Übergangsregelungen – die sicher einmal mehr und verlässlich für Verwirrung und Unruhe sorgen werden.

Das Netzwerk SprachenRechte hat zum IntG erneut eine Stellungnahme verfasst, der Fokus liegt dabei auf den nun verpflichtenden Sprach- und Werteprüfungen im Rahmen des aktualisierten Gesetzes.

20171019_NWSR_Stellungnahme-IV-Werte

Diese Stellungnahme haben wir auch bei einer Veranstaltung des Österreichischen Integrationsfond (ÖIF) am 20.10.2017, dem Symposium „Werte im Sprachunterricht“, verteilt. Rückblickend war es tatsächlich gut solcherart vorbereitet hinzugehen: Beim Symposium selbst gab es nämlich erst gegen Ende der Veranstaltung die Möglichkeit sich mit Fragen oder Kommentaren einzubringen.
Es war doch erschreckend (mindestens für die SprachenrechtlerInnen unter den TeilnehmerInnen) welches Verständnis zur Auseinandersetzung mit Frauen- bzw. Menschenrechten und von politischer Bildung dort gezeigt wurde – ja, vielmehr noch, selbst gelebt wurde: Ein paar AktivistInnen, die schon vor Beginn der Veranstaltung auf Missstände im Zusammenhang mit den neu verordneten Sprach- und Werteprüfungen mit einer Demonstration aufmerksam gemacht haben, waren als (proteststarke) Teilnehmende beim Symposium für den ÖIF als Veranstalter dann Grund genug, um Diskussionsbereitschaft fehlen zu lassen und mit dem Einsatz von Exekutivbeamten zu kompensieren.

Übrigens hat der Standard der Demonstration vor dem Eingang zum Symposium eine Fotostrecke gewidmet. Im Kurier ist ein Artikel zu den Protesten erschienen.

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Lehrgänge für DolmetscherInnen im Asylverfahren

Zwei neue fachspezifische QUADA-Lehrgänge für DolmetscherInnen im Asylverfahren starten ab September 2017 in Wien und ab November 2017 in Salzburg, darauf hat uns die Rechtsabteilung des UNHCR hingwiesen. Genauere Informationen finden sich auf der Website der Österreichischen Volkshochschulen:

„Ein faires Asylverfahren setzt immer das Gelingen von Kommunikation voraus. Dazu braucht es in der Regel DolmetscherInnen mit hoher professioneller Handlungskompetenz. Im Rahmen des vom Europäischen Flüchtlingsfonds und dem Bundesministerium für Inneres kofinanzierten Projekts haben ExpertInnen in einem multidisziplinären Team ein Curriculum für DolmetscherInnen im Asylverfahren erarbeitet.“

Diese Lehrgänge sind eine Möglichkeit, um fachspezifisches Wissen zu erwerben. Zudem werden TeilnehmerInnen des QUADA-Lehrgangs beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) bevorzugt behandelt, wenn mindestens neun Module absolviert wurden. Auch das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) hat zugesichert, die Teilnahme am Lehrgang zu berücksichtigen.

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